Archiv der Kategorie: Heidelberg

Zäune in der Südstadt

Am Freitag, den 10.10.2012 fand ein Bürgerforum zur Rückgabe der US-Flächen in der Südstadt statt. Die ersten 90 Minuten wurden von Vorträgen des Oberbürgermeisters und den von der Stadt engagierten Moderatoren und Stadtplanern eingenommen. Danach wurden die Bürger aufgerufen, an verschiedenen thematischen Stellwänden über die Entwicklungsmöglichkeiten in der Südstadt zu diskutieren. An jeder Stellwand wartete ein Moderator, der die Äußerungen der Anwesenden auf Kärtchen schrieb und zu sortieren versuchte.

Ich entschied mich für die Stellwand „Freiraum“, wo bereits eifrig über die weitläufigen Grünflächen auf den US-Liegenschaften, die bald in den Besitz des Bundes übergehen werden, diskutiert wurde. Mir fiel auf, dass ein ganz wesentliches Thema fehlte: Die langen Zäune, die nicht nur die militärischen Gebäude, sondern auch die Wohngebäude auf den US-Flächen seit etwa zehn Jahren hermetisch abriegeln. Das gilt auch für die Gebäude im Hohlbeinring, die bereits an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) zurückgegeben wurden und die nun vom Studentenwerk als Studentenwohnheim genutzt werden.

Wann werden diese Zäune verschwinden? Nachdem ich dies zur Sprache gebracht hatte, wurde eine entsprechende Karte angefertigt und von den Umstehenden kam breite Zustimmung. Viele können sich noch an die Zeiten vor dem 11. September 2001 erinnern, als die Südstadt noch ein weitaus offeneres Stadtgebiet war.

Keine Streitfragen bei der Bürgerbeteiligung?

Als die Moderatoren dann zu später Stunde ihre Ergebnisse vorstellten, war ich überrascht, dass der Moderator des Themenschwerpunktes „Freiraum“ gerade die Zäune nicht von selbst zur Sprache brachte. Als diese Frage aus dem Auditorium heraus aufkam, erklärte der Moderator, dieses Thema sei recht kontrovers diskutiert worden, einige seien dafür, dass die Zäune weg müssten, andere seien aber für einen Verbleib der Zäune gewesen, da sie Kindern Sicherheit vor der Römerstraße bieten könnten und weil sie ja viel gekostet hätten. Daher habe er das nicht erwähnt.

Da ich die Diskussionen beim Themenschwerpunkt „Freiraum“ nicht die ganze Zeit über verfolgt habe, kann ich die Anzahl der Stimmen pro und contra Zäune nicht einschätzen. In der Viertelstunde, die ich dort verbracht habe, gab es jedenfalls keine Befürworter.

Hier offenbaren sich die Schwächen dieser ausgelagerten und moderierten Form der Bürgerbeteiligung. Zum einen scheinen kontroverse Themen zugunsten eines guten Gelingens der Veranstaltung durch die Moderatoren eher ausgeblendet zu werden, zum anderen lässt sich bei der Präsentation unverbindlicher Diskussionen in Menschentrauben später nicht mehr nachvollziehen, wie viele Bürger welche Meinung vertreten haben. Hier besteht die Gefahr, dass Bürgerbeteiligung zur reinen Symbolpolitik wird.

Architektur der Angst – „gated communities“ in der Südstadt?

Wenn es in der Bürgerschaft tatsächlich geteilte Meinungen über die Zukunft der Zäune in der Südstadt gibt, muss diese Diskussion geführt werden. Ich bin der Meinung, dass sie so schnell wie möglich abgebaut und verkauft werden sollten. Die Südstadt, von der es immer wieder heißt, sie sei der „Stadtteil ohne Mittelpunkt“, soll ein offener und begehbarer Ort werden. Um die Militärflächen ins städtische Leben zurückzuführen, müssen die Zäune verschwinden – ansonsten droht die Situation, dass die militärische Struktur noch als Sicherheitsvorteil vermarktet wird. Abgeriegelte Wohnsiedlungen im Herzen Heidelbergs können nicht im Interesse der Bürgerschaft sein.

 


US-Abzug aus Heidelberg/Mannheim bis September 2013

Laut Stars and Stripes gibt es einen Befehl der U.S. Army Europe, sämtliches US-Personal in Mannheim und Heidelberg bis spätestens 30.08.2013 abgezogen zu haben. Rund 18.000 Menschen werden nach Wiesbaden, Kaiserslautern und Baumholder verlegt. Als Grund für den schnelleren Abzug wird angegeben, dass der schwindenden Garnisonsbevölkerung nicht mehr alle notwendigen Services zur Verfügung gestellt werden können. Ab 30. September 2013 werde es keine logistische Unterstützung mehr geben.


Die heutigen Patton Barracks vor fast 100 Jahren

Grenadierkaserne / Kriegsgefangenenlager Heidelberg

Quelle: Stadtarchiv Heidelberg

Die großen Kasernengebäude im  westlichen Teil der heutigen Patton Barracks wurden im Jahr 1914 noch vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs errichtet und sollten die Hälfte des in der Altstadt stationierten Bataillons aufnehmen. Stattdessen wurden sie nach Kriegsausbrauch als Gefangenenlager für französische Offiziere genutzt. Das Bild oben stammt aus dieser Zeit und zeigt den zu Tennisplätzen umfunktionierten Exerzierplatz, das Mannschaftshaus und das Familienwohnhaus für verheiratete Unteroffiziere.

Aus dem Heidelberger Tageblatt, 19.05.1914

Die neue Kaserne

Draußen vor den Toren der Stadt am kleinen Exerzierplatz sind in letzter Zeit mehrere stattliche Gebäude aus dem Erdboden hervorgewachsen, die mit ihren hellroten Dächern weithin über die grüne Ebene hinwegschauen und durch ihre Architektur und die Art ihrer Anordnung dem Beschauer ein freundliches Bild gewähren. Es sind die neuen Kasernenanlagen, die schon im Herbst dieses Jahres ihrer Bestimmung übergeben werden sollen. In der Altstadt sieht man bekanntlich dem Auszug unserer Grenadiere von ihrer alten Kaserne nach der neuen Heimstätte nur mit gemischten Gefühlen entgegen, aber es ist immerhin ein Trost, dass zunächst nur zwei Kompanien am 1.Oktober hinausgelegt werden, während die beiden anderen Kompanien in der alten Kaserne verbleiben.

Die neue Kaserne ist demnächst vollständig unter Dach. Sie besteht aus einem Mannschaftshaus, dass die Mannschaftsstuben nebst zugehörigen Waschräumen und Aborten, die Stuben für die unverheirateten Unteroffiziere, 2 Feldwebelwohnungen, 2 Offizierswohnungen, sowie die erforderlichen Schreibstuben, Kammer-, Boden- und Kellerräume enthält. Daran schließt sich das Wirtschaftsgebäude, in dessen Erdgeschoss die Mannschaftsspeiseanstalt, bestehend aus Küche nebst Zubehör, Speisesaal mit Nebenräumen, Marketenderverkaufsraum und das Mannschaftsbad untergebracht ist, während das Obergeschoss die Unteroffiziersspeiseanstalt mit Küche, Speise- und Versammlungsraum sowie die Markettenderwohnung enthält.

Abgesondert von beiden Bauten liegt das Familienwohnhaus, in dem sieben verheiratete Unteroffiziere nebst ihren Familien untergebracht werden sollen. Ein vierter Bau ist für die Waffenwerkstätten vorgesehen. Diese Bauten umschließen mit der schon bestehenden, aber erst jetzt vom Militärfiskus abgekauften Exerzierhalle und dem Fahrzeugschuppen einen weiten Kasernenhof und machen mit ihren ruhigen Architekturen schon jetzt einen freundlichen Eindruck, der noch nach erfolgter Herstellung des Außenputzes sowie der Anpflanzungen wesentlich gesteigert werden dürfte.

(Quelle: Stadtarchiv Heidelberg)


Wohndemographie

Ein paar Zahlen zur Bevölkerung in Heidelberg und ihre Verteilung auf den Wohnraum.

Wohnungen und Räume

Wie bereits erwähnt zählt das Statistische Landesamt im Jahr 2011 insgesamt 19.434 Wohngebäude mit 70.551 Wohnungen und 281.254 Räumen. Die durchschnittliche Belegungsdichte wird mit 2,1 Einwohner pro Wohnung angegeben.

Obwohl die Heidelberger Jahresstatistik für das Jahr 2010 mehr Wohnungen zählt als das Landesamt, wird die Zahl der  Wohnräume niedriger angegeben  (278.479). Die meisten Wohnungen haben zwei oder drei Zimmer.

Bevölkerung

Ähnlich unterschiedliche Zahlen finden sich bei den Angaben zur Bevölkerung, die wohl mit unterschiedlichen Grundgesamtheiten arbeiten. Die Heidelberger Jahresstatistik 2010 nennt 133.763 Personen mit Hauptwohnsitz und 139.937 Wohnberechtigte (Haupt- oder Nebenwohnsitz). Das Statistische Landesamt gibt für 2010 deutlich höhere Werte an, aktuell wird eine Bevölkerungzahl von 149.559 Personen genannt.

Beide Quellen sind sich darüber einig, dass es in Heidelberg mehr Frauen als Männer gibt. Die Heidelberger Jahresstatistik zählt 70.928 Frauen und 62.835 Männer. Das Statistische Landesamt gibt nur die Zahl der Männer (71.061) an (warum eigentlich?), woraus sich 78.498 Frauen errechnen lassen. Die Alterstruktur folgt dem deutschlandweiten Muster der Überalterung.

Haushalte

Die Anzahl der Haushalte in Heidelberg wird auf Basis der Wohnbevölkerung (133.763) mit insgesamt 75.707 angegeben. Mehr als die Hälfte davon (42.263) sind Ein-Personen-Haushalte. Die Zahl der Haushalte übersteigt die Zahl der Wohnungen leicht, was vermutlich vor allem auf Wohngemeinschaften zurückzuführen ist.

In den allermeisten Haushalten (84,5 Prozent) leben keine Kinder. Die klassische Familie ist damit eine klare Minderheit in Heidelberg.


Leerstandsquoten

Deutschland und Baden-Württemberg

Der Anteil leer stehender Wohnungen am gesamten Wohnungsbestand ist laut Statistischem Bundesamt in den letzten zehn Jahren deutlich angestiegen. Der Bundesdurchschnitt im Jahr 2010 beträgt 8,6 Prozent.  In Baden-Württemberg stehen laut dieser Statistik 8,1 Prozent der verfügbaren Wohneinheiten leer. Im gleichen Jahr gibt es laut dem Statistischen Landesamt Baden-Württemberg 5.005.692 Wohnungen im Bundesland. Das ergibt eine Zahl von rund 405.000 leeren Wohnungen in Baden-Württemberg.

Heidelberg

In Heidelberg gab es im Jahr 2010 laut Jahrestatistik insgesamt 71.704 Wohnungen (die an ausländische Streikräfte vermieteten wurden nicht mitgezählt). Das Landesamt zählt etwa 1.500 Wohnungen weniger.

Die Leerstandsquote des Bundeslandes lässt sich jedoch selbstverständlich nicht auf Heidelberg übertragen. Gewerbliche Wohnungsvemieter haben laut eigenen Angaben keine Probleme, Mieter für den stark nachgefragten Wohnraum zu finden. Laut der Unterrnehmensberatung empirica betrug die Leerstandsquote der „marktaktiven Geschosswohnungen“ in Heidelberg 2,8 Prozent im Jahr 2009. Höhere Leerstandsquoten könnte es nur im Bereich der Wohnungen in Privatbesitz geben,  die allerdings rund 80 Prozent des Wohnungsmarktes ausmachen.


Pressemitteilungen zu Konversion in Heidelberg

Die Stadt Heidelberg hat einen Webseitenbereich zum Thema Konversion, wo auch die Pressemitteilungen zu diesem Thema gesondert gesammelt sind. Leider gibt es keinen Benachrichtigungsservice für neue Beiträge – für derartige Fälle empfiehlt sich ein externer Service wie beispielsweise watchthatpage.


Zur Sache „Konversion“

Rhein-Neckar-Fernsehen: Zur Sache „Konversion“

Bert Siegelmann vom RNF diskutiert mit Norbert Baro ( BIMA), Dr. Konrad Hummel (Stadt Mannheim), Jörg Musial (BIMA) und Joachim Hahn (Stadt Heidelberg) über den Konversionsprozess.